Sport, Kultur, Freundschaft und gelebte Städtepartnerschaft in Tuam, Irland

Schwimmverein Straubing zu Gast in Irland: Ein beeindruckender „Inklusiver Sport- und Kulturaustausch“ verbindet Straubinger und irische Schwimmerinnen und Schwimmer

Vom 4. bis 9. September machte sich eine Gruppe des Schwimmvereins Straubing auf den Weg nach Irland, um im Rahmen eines „Inklusiven Sport- und Kulturaustauschs“ die Partnerstadt Tuam zu besuchen. Die Reise verband sportliche Begegnungen mit kulturellen Erlebnissen, Ausflügen in die beeindruckende Landschaft des westlichen Irlands und vor allem mit vielen persönlichen Begegnungen. Tuam ist seit 1991 Partnerstadt Straubings. Die Partnerschaft verfolgt insbesondere das Ziel, Menschen beider Städte zusammenzubringen, Verständnis für Geschichte, Kultur und Lebensart zu fördern und gerade auch Jugendlichen und Erwachsenen Möglichkeiten zum persönlichen und sprachlichen Austausch zu geben. Ein wichtiger Bestandteil ist seit vielen Jahren der Schüleraustausch mit der Stadt Straubing. Für den Schwimmverein Straubing war die Reise deshalb weit mehr als ein sportlicher Ausflug. Sie sollte zeigen, dass Sport Grenzen überwinden, Menschen verbinden und Freundschaften entstehen lassen kann.

Freitag, 04.09.: Auf nach Tuam – erste Begegnungen

Am Freitag startete die Reisegruppe in Richtung Westen. Nach der Übernahme der Mietwagen wartete zunächst eine für die Straubinger ungewohnte Herausforderung: die Umstellung auf den irischen Linksverkehr. Mit entsprechender Konzentration ging es anschließend mehrere Stunden durch die abwechslungsreiche und malerische Landschaft Irlands in Richtung Tuam. Je weiter die Gruppe nach Westen kam, desto stärker zeigte sich die landschaftliche Vielfalt der Grünen Insel. Grüne Weideflächen, Hecken, kleine Ortschaften und immer wieder überraschende Landschaftsbilder machten bereits die Anreise zu einem ersten Erlebnis.

Auf dem Weg zu den Cliffs of Mohor (Foto: SV Straubing)

In Tuam angekommen, stand das erste persönliche Kennenlernen mit den „Freunden Tuams“ und den örtlichen Ansprechpartnern auf dem Programm. Besonders herzlich war die Begegnung mit Emily Reynolds, die sich seit vielen Jahren für die Verbindung zwischen Tuam und Straubing engagiert und regelmäßig auch die Schüleraustausche zwischen beiden Städten organisiert. Die „Freunde Tuams“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Städtepartnerschaft mit Leben zu erfüllen und Begegnungen zwischen den Menschen beider Städte zu fördern. Genau dieser Gedanke sollte auch die kommenden Tage prägen. Tuam selbst liegt in der Grafschaft Galway in der historischen Provinz Connacht. Die Stadt befindet sich östlich des Lough Corrib und des Lough Mask und grenzt an die landschaftlich beeindruckende Region Connemara. Der irische Name „Tuaim“ bedeutet sinngemäß „Begräbnisplatz“ und verweist auf die lange Geschichte des Ortes. 

Samstag, 05.09.: Cliffs of Moher und Baden im Atlantik

Nach einem traditionellen irisch-englischen Frühstück mit Bacon, Bohnen, Spiegel- und Rühreiern ging es am Samstag zu einem der berühmtesten Naturwahrzeichen Irlands: den Cliffs of Moher.

Über das Dunguaire Castle in Kinvare vorbei reisten die Straubinger zu den gewaltigen Klippen an der Atlantikküste von County Clare. Diese boten der Gruppe ein beeindruckendes Naturschauspiel. Die Cliffs of Moher erstrecken sich über rund 14 Kilometer entlang der Küste und ragen an ihrer höchsten Stelle mehr als 200 Meter über den Atlantik. Entstanden sind die Gesteinsschichten vor rund 320 Millionen Jahren. Heute gehören die Klippen zum Burren and Cliffs of Moher UNESCO Global Geopark und sind zugleich ein bedeutendes Schutzgebiet für zahlreiche Seevogelarten. 

Neben der beeindruckenden Aussicht blieb natürlich auch ausreichend Zeit für das typisch irische Urlaubserlebnis: Die zahlreichen traditionellen Souvenirgeschäfte wurden ausgiebig erkundet – und so manches Andenken an die Reise wechselte den Besitzer. Anschließend führte die Fahrt weiter nach Lahinch. Dort zeigte sich allerdings schnell, dass der Atlantik an diesem Wochenende ganz andere sportliche Aktivitäten zu bieten hatte. In Lahinch fand vom 5. bis 6. September 2026 der traditionsreiche Walker Cup, der internationale Amateur-Teamwettbewerb zwischen Großbritannien und Irland sowie den USA, statt. Zahlreiche Besucher und das sportliche Großereignis prägten den Ort. Zu den früheren Teilnehmern des Walker Cups zählt übrigens auch Golflegende Tiger Woods.

Auch ein Bad im Atlantik musste sein (Foto:SV Straubing)

An ein ruhiges Bad im Meer war angesichts des großen Trubels daher nicht zu denken. Kurzerhand wurde das nächste Ziel angesteuert: Spanish Point. Dort fanden die Straubinger schließlich genau das, was sie gesucht hatten – den Atlantik und zahlreiche Surfer. Die Schwimmerinnen und Schwimmer ließen es sich nicht nehmen, selbst in die Wellen zu steigen und den irischen Atlantik hautnah zu erleben. Nach diesem abwechslungsreichen Tag wartete am Abend ein weiteres Highlight: ein sehr gutes gemeinsames Abendessen in der Unterkunft im ARD RI House in Tuam. Gemeinsam mit  Jean Browne, der Hotelleitung, ließ die Gruppe den ereignisreichen Tag in geselliger Atmosphäre ausklingen.

Sonntag, 06.09.: Sport verbindet – gemeinsames Training mit dem Swim-Club Tuam

Am Sonntag stand der eigentliche sportliche Kern der Reise auf dem Programm: ein gemeinsames Schwimmtraining mit dem Swim-Club Tuam.

Selbstverständlich stand auch ein gemeinsames Training mit Paulin und ihrem Team des Swim-Club Tuam auf dem Programm (Foto: SV Straubing)

Schon beim ersten Einschwimmen wurde deutlich, wie unkompliziert Sport Sprach- und Ländergrenzen überwinden kann. Die Straubinger Aktiven konnten problemlos mit den irischen Schwimmerinnen und Schwimmern mitschwimmen, gemeinsam trainieren und dabei erste persönliche Kontakte knüpfen. Richtig lebendig wurde es anschließend bei den gemeinsamen Teamstaffeln. Im Becken „kochte“ das irische Wasser, als die gemischten Mannschaften mit großem Einsatz um die besten Zeiten kämpften. Auch die Trainer ließen es sich nicht nehmen, aktiv ins Wasser zu springen und als Staffelschwimmer mitzumachen. Zum Abschluss entstand ein gemeinsames Teamfoto der Straubinger und irischen Aktiven – ein Bild, das sinnbildlich für das Ziel des gesamten Austauschs steht: Gemeinsam Sport treiben, gemeinsam lachen und dabei neue Freundschaften entstehen lassen.

Vom Schwimmbecken in den Pub

Als besondere Überraschung wartete anschließend ein gemeinsames Mittagessen im „Front Room“, einem typisch irischen Pub in Tuam. In gemütlicher Atmosphäre konnten die Schwimmerinnen und Schwimmer ihre englischen Sprachkenntnisse weiter vertiefen. Was zunächst vielleicht mit etwas Zurückhaltung begann, entwickelte sich schnell zu angeregten Gesprächen. Gerade hier zeigte sich, wie wertvoll persönliche Begegnungen für einen internationalen Austausch sind: Beim gemeinsamen Essen spielten Sprachbarrieren schon bald kaum noch eine Rolle. Es wurde erzählt, gelacht und über Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Alltag, im Sport und im Vereinsleben gesprochen.

Tuam entdecken mit Emily Reynolds

Nach dem Mittagessen folgte eine Stadtführung durch Tuam. Unter der Führung von Emily Reynolds sowie Wolfgang und Andrea Claus und Ann-Marie Newell vom Tuam Straubing Twinning Committee (Städtepartnerschafts Tuam Straubing) erhielt die Straubinger Gruppe zahlreiche Informationen über die Stadt, ihre Geschichte und ihre Sehenswürdigkeiten.

Natürlich musste bei der Stadtführung auch die „Straubinger Straße“ in Tuam besucht werden (Foto: SV Straubing)

Tuam blickt auf eine lange kirchen- und kulturgeschichtliche Tradition zurück und ist bis heute ein bedeutendes Zentrum der Region. Die beiden Kathedralen der Stadt gehören zu ihren markanten Wahrzeichen.

Zugleich ist Tuam eine lebendige Kleinstadt, in der sich historische Gebäude, Geschäfte und das moderne Leben miteinander verbinden.

Die Cathedrale in Tuam (Foto: SV Straubing)

Die Stadtführung machte deutlich, wie viele Gemeinsamkeiten sich hinter einer zunächst vielleicht ungewöhnlichen Partnerschaft zwischen einer niederbayerischen Stadt und einer westirischen Kleinstadt verbergen. Seit der Besiegelung der Städtepartnerschaft 1991 ist aus dem offiziellen Kontakt eine Vielzahl persönlicher Verbindungen entstanden. 

Zum Abschluss hielt Tuam noch eine besondere Überraschung für die Straubinger bereit: In der Straubinger Straße der Partnerstadt wurde die Gruppe zu einem Besuch in einem Süßigkeiten-Shop eingeladen.

Bei süßen Leckereien und herzlichen Worten klang der gemeinsame Tag aus – ein passender Abschluss für einen Tag, an dem Sport, Sprache, Geschichte und Freundschaft auf ganz natürliche Weise zusammengefunden hatten.

Montag, 07.09.: Durch Connemara – Burgen, Filmgeschichte und Kylemore Abbey

Am Montag wartete eines der landschaftlichen Highlights der Reise: die Fahrt in Richtung Connemara National Park. Schon die Anfahrt begeisterte die Straubinger. Die Strecke führte durch eine außergewöhnlich abwechslungsreiche Landschaft mit Bergen, Seen, Mooren und Wasserfällen. Hinter nahezu jeder Kurve schien eine neue Überraschung zu warten. Dazu wechselten Wetter, Licht und Farben teilweise innerhalb weniger Minuten. Sonnenschein, Wolken, Regen und wieder strahlendes Licht sorgten dafür, dass sich die Landschaft ständig neu präsentierte. Ein erster Abstecher führte in die kleine historische Ortschaft Cong.

Der Ort ist insbesondere durch die Filmgeschichte bekannt. Hier wurden 1952 große Teile des Hollywood-Klassikers The Quiet Man mit John Wayne und Maureen O’Hara gedreht. Noch heute erinnert eine Bronzestatue der beiden Schauspieler an diese Verbindung. Auch das berühmte Ashford Castle liegt bei Cong.

Das imposante Anwesen entwickelte sich von einem historischen Schloss zu einem luxuriösen Fünf-Sterne-Hotel. Cong selbst beeindruckt zudem mit historischen Gebäuden, Kirchen und Ruinen und liegt landschaftlich reizvoll zwischen Lough Corrib und Lough Mask. Von Cong ging es weiter durch die spektakuläre Landschaft Connemaras – vorbei an Bergen, Seen und dem markanten Diamond Hill – zum wohl bekanntesten Bauwerk der Region: Kylemore Abbey. Das heutige Kylemore Abbey wurde ursprünglich als Kylemore Castle von Mitchell Henry für seine Familie errichtet und 1867 fertiggestellt. Das Anwesen liegt malerisch vor der Kulisse der Connemara-Berge und am Ufer eines Sees. Seit 1920 ist es Heimat einer Gemeinschaft irischer Benediktinerinnen. 

Kylemore Estate (Foto: SV Straubing)

Besonders beeindruckend ist neben dem Schloss die weitläufige viktorianische Gartenanlage. Der sechs Hektar große „Victorian Walled Garden“ wurde gemeinsam mit dem Schloss im späten 19. Jahrhundert angelegt und verfügte einst über 21 beheizte Gewächshäuser sowie ein Team von bis zu 40 Gärtnern. Nach Jahrzehnten des Verfalls wurde der Garten aufwendig restauriert und im Jahr 2000 wieder für Besucher geöffnet. 

Nach diesen eindrucksvollen historischen und landschaftlichen Eindrücken ging die Fahrt weiter nach Clifden, dem bekannten Hauptort Connemaras. Bei einem gemütlichen Stadtbummel blieb ausreichend Gelegenheit, die zahlreichen Geschäfte und insbesondere die Kunsthandwerksläden zu erkunden. Irische Handwerkskunst, Souvenirs und regionale Produkte luden zum ausgiebigen Shopping ein.

Nach diesem ausgesprochen erlebnisreichen und „historischen“ Tag ließ die Gruppe den Abend gemeinsam bei einem italienischen Essen in Tuam ausklingen.

Dienstag, 08.09.: Galway, Atlantik und eine Fahrt auf dem Corrib

Am Dienstag hieß das Ziel Galway. Die lebendige Universitäts- und Hafenstadt an der Westküste Irlands bot noch einmal eine ganz andere Facette des Landes. Natürlich durfte für die Straubinger Schwimmerinnen und Schwimmer auch hier das Wasser nicht fehlen.

Ein Bad im Atlantik war Pflicht für die Straubinger Schwimmerinnen und Schwimmer – trotz frischen 18 Grad Wassertemperatur (Foto: SV Straubing)

Am Strand wurde im Atlantik gebadet, bevor anschließend die historischen Gassen der Innenstadt erkundet wurden. Galway ist bekannt für seine farbenfrohen Straßen, seine lebendige Atmosphäre und zahlreiche kleine Geschäfte, Cafés und Souvenirläden.

Ein weiterer Höhepunkt war die Fahrt mit der Corrib Princess. Das Ausflugsschiff startet im Stadtzentrum von Galway und führt zunächst über den River Corrib hinaus auf den Lough Corrib. Bei der rund 90-minütigen Fahrt konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Landschaft einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben.

Der Corrib ist der größte See der Republik Irland und prägt die Landschaft rund um Galway und Connemara. Die Corrib Princess bietet von Galway aus geführte Fluss- und Seerundfahrten an. Während der Fahrt boten sich immer wieder neue Ausblicke auf die grüne, teils unberührte Landschaft. Nach den vielen Autofahrten der vergangenen Tage war es eine willkommene Gelegenheit, Irland einmal ganz entspannt vom Wasser aus zu erleben.

Zum Abschluss des Tages besuchte die Gruppe die Galway Cathedral. Die imposante Kathedrale gehört zu den markantesten Bauwerken der Stadt. Sie wurde 1965 geweiht und gilt als eine der jüngsten großen Steinkathedralen Europas. Ihre Architektur verbindet traditionelle Elemente mit modernen Formen und schafft im Inneren eine beeindruckende Atmosphäre. 

Mittwoch, 09.09.: Abschied und Rückreise nach Dublin

Am Mittwoch hieß es schließlich Abschied nehmen. Die Mietwagen wurden wieder in Richtung Dublin bewegt, von wo aus der Rückflug nach Deutschland angetreten wurde.

Hinter der Gruppe lagen sechs intensive Tage voller neuer Eindrücke: beeindruckende Landschaften, historische Orte, sportliche Herausforderungen, gemeinsame Mahlzeiten, viele Gespräche und vor allem zahlreiche persönliche Begegnungen mit den Menschen aus Tuam.

Ein Austausch, der verbindet

Das Fazit der Reise fällt entsprechend eindeutig aus: Der „Inklusive Sport- und Kulturaustausch“ war für alle Beteiligten ein beeindruckendes Erlebnis und ein großer Erfolg. Neben den landschaftlichen und kulturellen Höhepunkten waren es vor allem die Begegnungen, die diese Reise besonders machten. Beim gemeinsamen Training im Schwimmbecken, bei den Teamstaffeln, beim Essen im Pub, bei der Stadtführung oder bei den gemeinsamen Ausflügen zeigte sich immer wieder, dass Sport und persönliche Begegnungen Grenzen überwinden können.

Aus anfänglichem Kennenlernen wurden Gespräche, aus Gesprächen wurden gemeinsame Erlebnisse und aus gemeinsamen Erlebnissen entstanden neue Freundschaften.

Die Fahrt entland der SkyRoad-Küstenstraße an der Westküste Irlands beeindruckte die Straubinger sehr (Foto: SV Straubing)

Der Schwimmverein Straubing erhielt zahlreiche positive Rückmeldungen von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Besonders erfreulich ist dabei, dass mit dem Besuch in Tuam nicht nur bestehende Kontakte gepflegt, sondern auch neue persönliche Verbindungen geschaffen und die Städtepartnerschaft zwischen Straubing und Tuam weiter mit Leben erfüllt werden konnte.

Und der nächste Gegenbesuch ist bereits fest eingeplant: Der Schwimmverein Straubing freut sich darauf, seine neuen Freunde aus Tuam spätestens zum Gäubodenvolksfest 2027 in Straubing wieder begrüßen zu dürfen. Dann soll es heißen: Welcome to Straubing – fáilte go Straubing!

Denn eine Erkenntnis dieser Reise steht fest: Sport verbindet – über Vereins-, Sprach- und Ländergrenzen hinweg. Und aus einer Städtepartnerschaft werden echte Freundschaften, wenn Menschen sie gemeinsam leben.

An der Strandpromenade in Galway hatten die Straubinger Aktiven sichtlich Spaß: im und neben dem Wasser (Foto: SV Straubing)

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