Weiher statt Hallenbad – Schwimmverein trotzt verrückten Zeiten mit verrückten Ideen

Corona trifft die Sportvereine hart. Doch statt die Flügel hängen zu lassen, gibt beispielsweise der Schwimmverein richtig Gas. Der Vorstand hat sich einen ungewöhnlichen Wettbewerb, die „Challenge 2020“, ausgedacht und bei den Kindern und Jugendlichen eine Welle der Begeisterung ausgelöst.

Der Schwimmverein lässt sich nicht unterkriegen. Geschlossene Hallenbäder ließen ihn kreativ werden. „Wir haben überlegt, was wir machen können, damit die Kinder und Jugendlichen sportlich bleiben und auch in diesem trüben Corona-November ihren Spaß haben“, sagt Vorsitzender Markus Schuirer. Eine vereinsinterne Challenge war die Lösung.

Zwei Disziplinen standen zur Wahl: Entweder 1000 Meter in einem Weihnachtskostüm laufen oder zehn Sekunden ins eiskalte Wasser steigen.

Markus Schuirer wählte als Tatort einen der Parkstettener Weiher. Nur mit Badehose, Bademütze und Schwimmbrille bekleidet watete er ins 12 Grad kalte Wasser, tauchte unter und legte sich bäuchlings hinein. „Schwimmen macht Spaß,“ war Schuirers Video-Botschaft nach erfolgreicher Übung. Er nominierte drei weitere Vereinsmitglieder, das Gleiche zu tun. So nahm das Spiel seinen Lauf. Ein Mädchen stieg fest entschlossen mit Pudelmütze in die Wassertonne, eine Familie tauchte bei acht Grad Außentemperatur ein in den Pool. Fotos und Videos des nasskalten Vergnügens machten auf Whatsapp die Runde. Die Nixen putschten sich gegenseitig auf. „Die Aktion hat sie richtig geflasht“, freut sich der Vorsitzende. „Der Schwimmverein lebt. Schwimmen liegt uns allen am Herzen.“

Einen Riesenspaß hatten auch die Schwimmfreunde, die lieber im Trockenen blieben. Als laufende Engel oder Nikolause in Sportschuhen boten sie auf Feldwegen einen ungewöhnlichen Anblick. „Die Resonanz im Verein war phänomenal. Kinder und Jugendliche  haben sich mächtig ins Zeug gelegt“, ist Schuirer begeistert. In benachbarten Schwimmvereinen habe die unkonventionelle und corona-konforme Nachwuchsarbeit schon Nachahmer gefunden.

Die Challenge biete die Chance, untereinander den Kontakt zu halten und Gaudi zu haben, auch wenn man sich nicht persönlich sehen kann. Ziel sei, die Kinder weg vom Handy und raus an die frische Luft zu holen. Der Wettbewerb verbreite gute Laune in trüben Coronazeiten. „Wir wollten damit ein bisschen Leben und Freude in die Sache bringen und den Zusammenhalt aufbauen“, erklärt Schuirer das Ziel hinter der Challenge, die er zusammen mit Myriam Wankerl, zweite Vorsitzende des Schwimmvereins, entwickelt hatte. 

Man gehe zudem regelmäßig zum Schwimmen in den Weiher, erzählt Schuirer und präzisiert, dass er nach zwei, drei Mal eintauchen am Uferrand etwa 50 bis 100 Meter schwimmt. „Wenn man das regelmäßig macht, gewöhnt sich der Körper daran. Das ist eine gute Abhärtung“, sagt der Vorsitzende.

Nach Angaben des Bayerischen Landessportverbands sind viele Sportvereine von einer Kündigungswelle betroffen, da einer Reihe von Sportlern in der corona-bedingten Pause eine Mitgliedschaft nicht sinnvoll schien. Von Austritten sei auch der Schwimmverein Straubing nicht verschont geblieben, stellt Schuirer fest. Allerdings hielten sich die Kündigungen in Grenzen. Aktuell zähle der Schwimmverein knapp 300 Mitglieder. „Wir hoffen, dass es bald wieder losgeht.“  Bis dahin lautet das Motto: „Zusammenhalten, zusammenbleiben.“ Bildtext: Hallenbad geschlossen? Na und! Die Schwimmer überbrücken die corona-bedingten Einschränkungen auf ihre Art: Sie steigen in den Pool, tauchen unter im Weiher oder laufen als Engel durch die Landschaft.

Text mit freundlicher Genehmigung von Ursula Eisenmann, Straubinger Tagblatt (28.11.2020)


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